Medien berichten: “Wincklerbad entfaltet ‘enorme Zugkraft’”

maren_brandenburger_wolfgang_freter Vor wenigen Tagen konnten sich Nenndorfer Bürger von Vertretern des niedersächsischen Verfassungsschutzes über die Aussichtslosigkeit der Gegenseite informieren lassen. Auch in diesem Fall fand das Angebot wenig Zuspruch in der Bevölkerung. Auf der Gegenseite hat man sich jedoch bereits daran gewöhnt, dass man dort nur noch unter sich ist.

Abgesehen von den üblichen Träumereien scheint man sich mehr oder weniger der eigenen Lage bewusst zu werden, denn diese ist mehr als hoffnungslos verloren! Doch statt endlich eine objektive Fehleranalyse durchzuführen, hält man weiter am eigenen Standpunkt fest und rennt weiter gegen die Wände der Moral, tritt weiter gegen die Würde der Opfer und plant weitere Verhöhnung der Gefangenen des alliierten Folterlagers Wincklerbad. Doch alle gemachten Überlegungen und Pläne dürfen als hinfällig und wertlos betrachtet werden, da diese sich nicht mit dem Forderungskatalog des Gedenkbündnis Bad Nenndorf befassen. Wer also aus unerklärlichen Gründen Anstoß am jährlichen Trauermarsch zum Wincklerbad findet, der scheint sich einer objektiven Betrachtung noch immer zu verweigern!

An dieser Stelle möchten wir uns erlauben einige Äußerungen und Formulierungen der Referenten kurz zu kommentieren (der gesamte Text des Artikels am Ende!):

- Maren Brandenburger: “Selbst wenn jetzt eine Broschüre Fakten entgegensetzt, wird die Nazis das nicht beeindrucken.”Gedenkbündnis Bad Nenndorf: “Es ist nicht möglich eine Broschüre zu veröffentlichen, welche unseren Aussagen im Bezug auf die Geschehnisse im alliierten Folterlager Wincklerbad ‘Fakten’ entgegensetzt. Fakt ist, dass es sich um historische Tatsachen handelt, diese können nicht aus der Welt diskutiert oder gelogen werden. Für die Gegenseite ist es somit an der Zeit endlich zu akzeptieren, dass es alliierte Kriegs- und Nachkriegsverbrechen gab und das unermessliche Leid der hilflosen Opfer in vollem Umfang anzuerkennen. “

- Maren Brandenburger: “Ein kleines Städtchen, das bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Nur weil hier ein Gebäude mit nationalsozialistischem Hintergrund belegt wird”Gedenkbündnis Bad Nenndorf: “Falsch! Der Ort Bad Nenndorf erregt bundesweit Aufmerksamkeit, weil dort die Stadtvertreter das Leid von Gefangenen der Alliierten - trotz Offenkundigkeit der Verbrechen – noch immer mit Füßen treten. Nicht um einen nationalsozialistischen Hintergrund geht es, sonder um der Opfern zu gedenken und die Täter beim Namen zu nennen! Hier offenbart sich der wahre Hintergrund der ‘Befreiung’: Die Geschehnisse im Folterlager Wincklerbad sind dabei jedoch nur Auszug aus einer Serie von alliierten Krieg- und Nachkriegsverbrechen, einer Serie von ausgiebig geplanten Verbrechen gegen die Menschlichkeit !”

- Maren Brandenburger: “Da ist was passiert und wurde verdrängt”Gedenkbündnis Bad Nenndorf: “Auch nach 65 Jahren gibt es in Bad Nenndorf Menschen, die Tatsachen ignorieren und bemüht sind die Geschehnisse und das Leid der Opfer zu akzeptieren und anzuerkennen. Es ist handelt sich dabei nicht um eine Fiktion, würden betreffende Personen weniger ignorant und dafür etwas objektiver sein, dann müssten auch sie die Idiotie und die moralische Verwerflichkeit des Standpunktes erkennen. Richtig müsste Frau Brandenburger also formulieren, dass da etwas passiert ist und noch immer verdrängt wird.”

- Wolfgang Freter (erwartet, dass) “die Zahlen vom letzten Jahr deutlich übertroffen werden” - Gedenkbündnis Bad Nenndorf: “Spekulationen und Zahlenspielerei brauchen nur die Verlierer der Gegenseite, wir nicht! Für uns steht das Anliegen im Vordergrund. Wir begrüßen es jedoch, dass der Trauermarsch in den vergangenen Jahren Zuspruch gefunden hat, weil die Teilnehmer als Multiplikatoren fungierten und selbst über die Geschehnisse im Wincklerbad informierten.”

Abschließend halten wir für unseren interessierten Leser wie immer den gesamten Text des Zeitungsartikels bereit:

Wincklerbad entfaltet “enorme Zugkraft” in der Szene

Bad Nenndorf (tes). Die Bedeutung des Wincklerbades für die braune Propaganda ist offenbar noch höher als befürchtet. Nach Ansicht des Verfassungsschutzes zählt der “Trauermarsch” in Bad Nenndorf mittlerweile zu den bundesweit größten Veranstaltungen der rechten Szene – eine Machtdemonstration mit internationaler Beteiligung, großer Attraktivität für junge Sympathisanten und einem Abo bis 2030.

Was erwartet uns am 14. August 2010? Diese Frage beschäftigt im fünften Jahr der Neonazi-Aufmärsche viele Nenndorfer Demokraten. Die Fakten und Bilder, die Pressesprecherin Maren Brandenburger und Abteilungsleiter Wolfgang Freter vom niedersächsischen Verfassungsschutz über die Bedeutung des Wincklerbades für die braune Propaganda offenbart haben, haben im Publikum der Info-Veranstaltung des SPD-Samtgemeindeverbandes entsetzte Reaktionen hervorgerufen.

Beide Experten konnten keine Entwarnung geben. Der so genannte Trauermarsch werde massiv beworben – international und weit über die Neonazi-Szene hinaus. Das ehemalige Verhörzentrum übe eine fatale Anziehungskraft aus. “Ein kleines Städtchen, das bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Nur weil hier ein Gebäude mit nationalsozialistischem Hintergrund belegt wird”, erklärte Brandenburger. “Da ist was passiert und wurde verdrängt”, das passe bestens in die Propaganda-Strategie der Rechten von einer durch Besatzer mundtot gemachten, betrogenen Volksgemeinschaft. “Selbst wenn jetzt eine Broschüre Fakten entgegensetzt, wird die Nazis das nicht beeindrucken.” Das Thema habe “enorme Zugkraft”.

Ob autonome Nationalisten oder NPD-Funktionäre: Bad Nenndorf biete Event-Charakter und die Chance, selbst ernannten Nazi-Größen die Hand zu schütteln. So erwartet Freter, dass “die Zahlen vom letzten Jahr deutlich übertroffen werden”. Waren es 2009 gut 700 Teilnehmer, könnte sich die Beteiligung der ungebetenen Gäste in 2010 erneut verdoppeln. Nicht zuletzt, weil der Aufmarsch in Dresden gescheitert und der einstige Wallfahrtsort Wunsiedel durch ein Demo-Verbot wegfällt. Bad Nenndorf sei in die erste Kategorie rechtsextremistischer Demonstrationsorte aufgestiegen, so Freter. Infolgedessen sei mit mehr Linksextremisten zu rechnen. Mehrere Hundertschaften der Polizei müssen die beiden Lager auf Abstand halten. Ein Ende dieses Schauspiels ist laut Freter nicht in Sicht. Die Magnetwirkung historischer Orte lasse sich nicht verhindern.

Der bürgerliche Widerstand wächst: “Bisher fand der Aufmarsch immer in den Sommerferien statt, viele waren im Urlaub”, hofft der SPD-Vorsitzende Udo Husmann auf noch mehr Nenndorfer, die am 14. August ein deutliches Zeichen setzen: “Wir sind gegen Nazis.” Dass es bei diesem Termin bleiben wird, daran ließen die Verfassungsschützer keinen Zweifel. Die Veranstalter hatten den Aufmarsch verlegt, weil am 7. August das so genannte Pressefest des NPD-Organs “Deutsche Stimme” stattfindet. Dies belege den Stellenwert von Bad Nenndorf, weil die Nazis diesen Aufmarsch offenbar nicht durch eine andere Veranstaltung überschattet sehen wollen.

Brandenburger würdigte die Gegenwehr vor Ort, warnte jedoch vor der Gefahr, dass sich “zwei Ebenen hochschaukeln”. Das Problem lasse sich nicht lösen, indem man sage: “hier nicht”. “Ausgrenzen hilft nicht”, warnte sie. Ziel müsse vielmehr sein, nachhaltige Präventionsansätze zu schaffen, um die Jugend stark zu machen und Zukunftsaussichten zu schaffen. Dabei sei die Politik gefragt. “Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diese Jugendlichen haben nicht viel zu verlieren.” Jürgen Uebel vom Bündnis “Bad Nenndorf ist bunt” sah das primäre Ziel auf lokaler Ebene darin, den Nazis den öffentlichen Raum streitig zu machen: Bad Nenndorf müsse zur “No go area für Neonazis” werden.

Schaumburger Zeitung vom 05. 05. 2010


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